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Andorno Micca (Biella)- Kirche von San Lorenzo
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Die Kirche von San Lorenzo in Andorno ist eine ganz besondere Kirche. Sie hat in der Tat zwei Fassaden. Oder, besser gesagt, sie hat an einem Ende was von der ursprünglichen Fassade übrig geblieben ist und jetzt die Rückseite der Kirche bildet, und dann die aktuelle Fassade, auf der gegenüber liegenden Seite.
Das Gebäude in seiner ursprünglichen Form wurde, nach einem in einem der ältesten Teilen der Kirchenmauern entdeckten Datum, im fünfzehnten Jahrhundert errichtet (anstelle einer noch älteren Kirche). Die Kirche von San Lorenzo in Andorno ist also eine der ältesten Kirchen der Biella Gegend.
Die heutige Kirche hat die Form einer Basilika, mit einem rechteckigen Grundriss, bestehend aus drei in fünf Spannweiten unterteilten Schiffen, mit den seitlichen Schiffen niedriger und enger als das mittlere. Das Äußere der Kirche widerspiegelt die Komplexität ihrer Geschichte. Die ursprüngliche Fassade aus dem späten fünfzehten Jahrhundert bildet jetzt die Rückwand der Kirche, die immer noch die typische Aufteilung in drei vertikalen durch Pilaster getrennten Teilen, entsprechend der inneren Aufteilung in Schiffen, sowie die Dekoration mit Hängebögen unter dem Dach, bewahrt. Sogar die beiden Fenster im gotischen Stil und der zentralen Oculus überlebten. Alle drei sind von glasierten Terrakotta-Dekorationen umgeben, die Gesichter von Putten sowie pflanzlichen Elemente darstellen. Die Eingangstür ist dagegen zugemauert worden, sie war aber vor noch einigen Jahrzehnten auch anwesend. Die heutige Fassade, aus dem achtzehnten Jahrhundert, ist eine typische barocke Fassade. Sie ist flach in der oberen Hälfte, während die untere Hälfte in der Mitte eine konkave Krümmung beisitzt, die ein kleienes Atrium mit drei Türen hervorbringt, von denen nur die zentrale in die Kirche führt, während die anderen in die Taufkapelle und in das Chor führen. Die Fassade weist vier Nischen auf, in denen Statuen des Bildhauers Stefano Catella stehen. Sie stellen den Heiligen Laurentius, den Heiligen Julius, den Heiligen Franz von Sales und den Heiligen Antonius von Padua dar. Beide Seiten der Kirche sind alles andere als flach und glatt und zeigen deutlich, dass mehrere Teile nach und nach zu unterschiedlichen Zeiten hinzugefühgt wurden. Auch die Reste einiger Seitenfenster der ursprünglichen gotischen Kirche (die, die der alten Fassade entspricht) sind noch zu erkennen. Der glänzend graue Glockenturm aus Syenit hat ein quadratisches Querschnitt und glatte Flächen; da er keine Spitze besitzt, erscheint er ein wenig plump. Die Tradition besagt, dass der Glockenturm wegen eines Unglückes während der Arbeiten ohne der Spitze blieb. Ein Arbeiter (oder vielleicht der Bauleiter) sei von der sehr hohen Mauer abgestürzt und dabei gestorben. Die ehrgeizigen Einwohner von Andorno hätten darauf das Projekt aufgegeben, den Turm auch mit einer Spitze zu versehen. Der Glockenturm von der Kirche von San Lorenzo in Andorno ist auch so der höchste in der Biella Gegend, mit einer Höhe von 60m.
Das Innern ist reich verziert, mit fast allen Oberflächen bedeckt mit Fresken. Im Innern der Kirche befinden sich die Überreste des Malers und Bühnenbildner Bernardino Galliari. Man beachte, dass die Fresken an der Decke des Hauptschiffs und an der Kuppel des Presbyteriums anscheinend aus Anfang des 19. Jahrhunderts sind. Ebenso bemerkenswert im Hauptschiff sind die Kanzel, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gefertigt wurde, und die Orgel an der Gegenfassade. Die Kirche besitzt auf jeder Seite drei Kapellen. Links, vom Eingang ausgehend befinden sich: - Raum direkt links vom Eingang: Dies ist keine Kapelle im eigentlichen Sinne, sondern ein kleiner Raum mit einer Vitrine, in der sich eine Statue des toten Christus befindet. Darüber steht eine Statue der Schmerzensmutter. - Kapelle der Heiligen Crispin und Crispinian: Früher dem Heiligen Kreuz und dem Heiligen Ursus geweiht. Die letztere Widmung findet sich noch heute auf dem Giebel des Altaraufsatzes, der aus polychromem Marmorimitat besteht und 1820 von Stuckateuren aus Lugano geschaffen wurde. Die Kapelle ist durch eine Serpentinitbalustrade vom Kirchenschiff getrennt. – Kapelle Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes: Die Kapelle wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Auftrag der Rosenkranzgesellschaft erbaut. Der heutige Altar, aus polychromem Marmorimitat und verziert mit Engelsköpfen und goldenen Girlanden, wurde 1820 von Stuckateuren aus Lugano geschaffen. Der Altaraufsatz besitzt eine Nische in der Mitte mit einer Statue der Madonna mit Kind. Die fünfzehn vergoldeten Medaillons, die die Nische umgeben und die Geheimnisse des Rosenkranzes darstellen, wurden 1847 hinzugefügt. – Kapelle vom Heiligen Julius: Dies ist die Kapelle von größter historischer und künstlerischer Bedeutung in der Kirche. Sie wurde zwischen 1680 und 1682 von den Meistern Giovanni Battista Golzio Casa und Giovanni Battista Levera erbaut, um den Leichnam des Heiligen Julius Märtyrers aufzunehmen, der aus den Caracalla-Katakomben exhumiert und 1679 der Pfarrei geschenkt worden war. Die Dekorationen und Gemälde stammen von Pietro Lace aus Andorno (der auch für die Fresken in den Gewölben der Kirche des Heiligen Johannes in Veglio der großen Kirche des Heiligtum der Jungfrau der Heide in Valdilana verantwortlich ist) und Antonio Genta aus Biella. Das Altarbild, das die Unbefleckte Empfängnis mit den Heiligen Julius und Michael darstellt, stammt ebenfalls von Pietro Lace. Bemerkenswert ist, dass der untere Teil des Gemäldes die Stadt Andorno zu jener Zeit zeigt. Der prächtige Altar ist aus polychromem Marmor, Biella-Serpentinit und weißem Mazzucco-Stein gefertigt. Das besonders reich verzierte Retabel weist eine architektonische Struktur mit vier gedrehten Säulen auf, mit hohen Sockeln und Doppelkapitellen (korinthisch und ionisch), die ein Gebälk mit einem barocken Giebel tragen. Die gesamte Struktur ist mit zahlreichen Cherubimköpfen und Girlanden geschmückt. Zwischen den beiden Säulenpaaren befindet sich ein gemischtlinearer Rahmen mit dem Altarbild und drunter eine Vitrine mit den Reliquien des Heiligen. Die Kapelle hat einen quadratischen Grundriss. Eine achteckige Kuppel mit einer kleinen Laterne wird von vier Flügeln getragen. Alle Innenflächen sind mit Fresken bemalt, mit Ausnahme der Laterne, in der nur die Kappe mit dem Ewigen Vater verziert ist. Auf den Wänden stehen großformatige Darstellungen der vier Evangelisten, auf den Kuppelpendenten die vier Kirchenlehrer, und die acht Segmente der Kuppel zeigen sieben Engel mit den Symbolen des Martyriums des Heiligen Julius sowie den Heiligen Julius selbst in seiner Herrlichkeit. Die übrigen Bereiche sind mit verschiedenen Dekorationselementen geschmückt. Die sechseckigen Fenster in den seitlichen Lünetten sind echt, während das Fenster in der Lünette an der Rückwand lediglich gemalt ist, obwohl der Rahmen dem der echten Fenster entspricht. Die Kapelle ist durch eine Balustrade aus Serpentin aus dem Oropa-Tal vom Kirchenschiff getrennt. Auf der rechten Seite, vom Eingang aus gesehen, befinden sich: - Kapelle des Heiligen Antonius von Padua: Altar und Retabel sind aus Marmorimitat gefertigt und wurden Anfang des 19. Jahrhunderts von den Stuckateuren der Cattaneo-Gruppe aus Lugano geschaffen. Das Altarbild stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wird dem Maler und Bildhauer Carlo Antonio Serra di Tollegno zugeschrieben. Von den beiden rechteckigen Fenster an den Seitenwänden, ist nur das linke echt. Die Kapelle ist durch eine Balustrade aus schwarzem Marmor vom Kirchenschiff getrennt. - Kapelle der Fürbitte: Sie wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Auftrag der gleichnamigen Kongregation errichtet. Der Altar ist Unserer Lieben Frau der Fürbitte geweiht und war früher auch als „Totenaltar“ bekannt. Die Kapelle ist in ihrer Struktur der vorherigen ähnlich, mit einem Pavillongewölbe und größtenteils mit Fresken verzierten Flächen. Hier befindet sich das Scheinfenster jedoch rechts. Auch der Altar ist aus Marmorimitat gefertigt. Das Retabel ist besonders reich verziert, mit einem gemischtlinigen Giebel, der mit vergoldeten Engelsköpfen und Girlanden geschmückt ist. Die Kapelle ist durch eine polychrome Marmorbalustrade vom Kirchenschiff getrennt. – Kapelle des Heiligen Franz von Sales: Die Kapelle war ursprünglich dem Heiligen Eligius geweiht. Die Weihe ging dann an den Heiligen Defendens und später an den Heiligen Antonius den Abt über. In den Jahren 1747/48 wurde der Altar schließlich auf Anordnung der dem Heiligen Franz von Sales gewidmeten Hundert-Priester-Gesellschaft in den Altar des Heiligen Franz von Sales umgewandelt. Im Jahr 1758 wurden die Innenflächen vollständig vom Maler Pietro Lace in typischen Spätbarockfresken bemalt, mit einer Trompe-l’œil-Laterne in der Mitte des Pavillongewölbes. Leider sind diese Fresken heute in einem schlechten Zustand und restaurierungsbedürftig. Der polychrome Marmoraltar mit seiner neoklassizistischen Architektur stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist ein Werk von Stefano Catella. Das Altarbild, das die Madonna in Ruhm mit dem heiligen Franz von Sales, dem heiligen Eligius und dem heiligen Antonius dem Abt darstellt, stammt aus derselben Zeit. Die Kapelle ist durch eine Balustrade aus Serpentin aus dem Oropa-Tal vom Kirchenschiff getrennt. – Taufkapelle: Das Gewölbe ist mit neoklassizistischen Fresken verziert, die sich leider in einem schlechten Zustand befinden. Sie ist durch ein schmiedeeisernes Tor verschlossen. Das Presbyterium entspricht strukturell der letzten Spannweite des Schiffes und ist leicht erhöht. Der Hauptaltar ist aus Marmor gefertigt und wird von einer Kuppel im typisch neoklassizistischen Stil bekrönt. Das Gewölbe über dem Presbyterium zeigt eine Trompe-l'œil Perspektive, die Jesus in himmlischer Herrlichkeit inmitten der Wolken, umgeben von musizierenden Engeln, darstellt. Die Pendentifs zeigen die vier Evangelisten. Im unteren Teil der Apsiswand befinden sich die Chorgestühle. Der obere Bereich ist durch Pilasterpaare in drei Abschnitte unterteilt: Die seitlichen Abschnitte sind mit sakralen Szenen freskiert, während der Mittelteil von einem großer Rahmen mit Ranken und Blättern aus weißem und vergoldetem Stuck eingenommen wird, der im oberen Teil von einem weiteren Fries abgeschlossen wird, der in der Mitte in einem Band aus miteinander verbundenen Blättern gipfelt. Das Altarbild in diesem Rahmen zeigt das Martyrium des Heiligen Laurentius und wurde von Bernardino Gallieri, vermutlich im Jahr 1779, gemalt.
Kategorien: Sehenswürdigkeiten von historischem Wert von künstlerischem Wert
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