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Castelleone (Cremona): Kirche Heilige Maria in Bressanoro
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Die Kirche Santa Maria in Bressanoro liegt etwas außerhalb des Dorfes Castelleone, umgeben von Wiesen und Feldern. Sie ist ein bedeutendes Beispiel frührenaissancezeitlicher Architektur in der Lombardei der Sforza.
GESCHICHTE An dieser Stelle stand bereits seit dem Mittelalter die Kirche Santa Maria. Später wurde ein Kloster der Franziskaner angebaut. Mitte des 15. Jahrhunderts waren jedoch sowohl die Kirche als auch das Kloster verfallen. Die Familie Sforza, die Herzöge von Mailand, beschloss daraufhin, den Komplex dem seligen Amedeo Menesez de Sylva anzuvertrauen, einem Franziskaner der Observanz und einem zum Christentum konvertierten Juden, der 1431 in Ceuta, einer spanischen Besitzung in Marokko, geboren war. Der Mönch genoss die besondere Wertschätzung von Bianca Maria Sforza, der der selige Amedeo ein Pilgergelübde zum Heiligtum von Guadalupe in das Versprechen umgewandelt hatte, beim Bau der neuen Kirche zu helfen. Der Bau der neuen Kirche (die Unserer Lieben Frau von Guadalupe geweiht war) und des angrenzenden Klosters begann 1461 und wurde 1465 abgeschlossen. Vorhalle, Glockenturm und Chor wurden 1505, nach Fertigstellung der Kirche, hinzugefügt. Der Komplex umfasste schließlich die Kirche, die alte Kirche, die zum persönlichen Oratorium des Seligen Amedeo umgebaut worden war, das Kloster mit drei Kreuzgängen, zwei Kapellen (erbaut in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und dem Heiligen Franziskus und dem Heiligen Fermo geweiht) neben dem Eingang zur neuen Kirche sowie einen kleinen Friedhof. Die Amadeiterbrüder (die von dem Seligen Amedeo 1464 gegründete Kongregation reformierten Franziskaner) blieben bis 1568 Hüter des Komplexes, als die Kongregation durch ein Dekret von Papst Pius V. mit den Observanten-Franziskanern der Provinz Brescia vereinigt wurde. Im Jahr 1810 wurde das Kloster infolge der napoleonischen Reformen aufgelöst. In den folgenden Jahren wurde das Kloster, bis auf den Teil, in dem heute der Verwalter wohnt, das persönliche Oratorium des Seligen Amedeo, die beiden Kapellen neben dem Eingang und der Friedhof abgerissen. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche umfassend restauriert und und konnte so ihre ursprüngliche Pracht wiedergewinnen. Sie war lange Zeit für die Öffentlichkeit geschlossen, wurde aber gegen Ende des letzten Jahrhunderts wiedereröffnet.
STRUKTUR Die Kirche ist vollständig aus Sichtmauerwerk errichtet. Der Grundriss bildet ein griechisches Kreuz mit einem quadratischen Mittelteil, der von vier quadratischen Armen umgeben ist. Am hinteren Arm schließt dann sich eine rechteckige Apsis an. Der Mittelteil wird von einer Kuppel überdacht, die von einem Tiburium umgeben ist. Die vier Arme sind ebenfalls mit kleinen Kuppeln versehen, über denen sich jedoch ein normales Dach befindet. Die Ecken der einzelnen Teile werden durch Pilaster betont. Der Glockenturm befindet sich an der Rückseite, an der linken Seite des hinteren Arms. Er besitzt auf jeder Seite eine gotische Bifora. Zwischen dem rechten und dem hinteren Arm befinden sich die Überreste des Klosters. Die Fassade ist eine Giebelfassade und besitzt in der Mitte ein Okulus. Das spitzbogige Eingangsportal zeugt davon, dass die Kirche in der Übergangszeit zwischen Gotik und Renaissance erbaut wurde. Vor dem Haupteingang befindet sich der Portikus, der in drei Kreuzgewölbe unterteilt und von vier Backsteinsäulen getragen wird. Dass er das Okulus teilweise verdeckt, beweist, dass er nicht zum ursprünglichen Entwurf gehörte, sondern erst später hinzugefügt wurde. Insgesamt wirkt die Architektur der Kirche sehr streng, fast militärisch. Diese Charakteristik stützt die Annahme, dass der Entwurf Bartolomeo Gadio zugeschrieben werden kann, einem Architekten, der aber auch als Offizier und Konstrukteur von Kriegsmaschinen für das Herzogtum Mailand zur Zeit von Bianca Maria Visconti tätig war. Das dekorative Element des Äußeren der Kirche ist vollständig den Terrakotta-Verzierungen zu verdanken (die aber auch im Innern zu finden ist), die Rainaldo de Stauli und seiner Werkstatt zugeschrieben werden. Die Fassade ist natürlich der am reichsten dekorierter Teil. Die seitlichen Pilaster sind mit Spiralen gegliederten Feldern bedeckt, die betende Engel mit verschränkten Armen und dekorative Elemente wie Kelchpaare, Akanthusblätter, stilisierte Blumen und das Sforza-Motto „DROIT SEMPER“ zeigen. Die Dekoration unterhalb des Daches ist sehr reichhaltig: Ein Band mit erneut betenden Engeln und Amphoren, ein zweites Band mit dekorativen Elementen und schließlich ein drittes Band mit hängenden Bögen, an deren Basis jeweils ein Cherubenkopf steht. Verschiedene Bänder mit dekorativen Elementen umgeben das zentrale Okulus. Besonders prachtvoll ist die Dekoration des Portals. Neben dem innersten schlichten Ziegelgesims besteht sie aus fünf verschiedenen Bändern. Von innen nach außen finden sich Lorbeerkränze, umwickelt mit Bändern, die die beiden Sforza-Mottos „A BON DROIT, SEMPER DROIT“ tragen, kleine Engel, die einen mit Trauben behängten Weinstock umarmen, ein Spiralmotiv, geschwungene Akanthusblätter und ein schlichtes Kannelierungsmuster. Fittile Dekorationen, die die verschiedenen Motive der Fassade aufgreifen, sind auch um die Okuli des Tiburiums und unter ihrem Dach, um einige Fenster, unter dem Dach der Seitenarme an Vorder- und Seitenfront sowie unter den Biforen des Glockenturms (hängende Bögen mit Engelsköpfen an der Basis) zu sehen. Die innere Struktur spiegelt das äußere Erscheinungsbild wider. Ein quadratischer Mittelbau wird von einer achteckigen Kuppel überspannt, deren schräge Seiten auf Trompen ruhen. An jeder Seite des Quadrats führt ein großer Bogen zu einem der ebenfalls quadratischen Nebenkörper, der von einer runden Kuppel gekrönt werden. Entlang des gesamten inneren Umfangs, mit Ausnahme des Chors, verläuft ein breites Band aus Terrakotta-Dekorationen, das auf Höhe der Befestigungen der inneren Bögen angebracht ist. Es zeigt betende Engel im Zentrum, darüber und darunter jeweils ein Band aus Spiralen und Akanthusblättern. Tonverzierungen betonen die Bögen, die den Mittelbau mit den Seitenbauten verbinden, die Bögen der Trompen sowie die Sockel der Kuppeln der Seitenbauten. Sechzehn Ädikula sind in den Trompen der Seitenbauten eingesetzt, jede mit einer vollplastischen Terrakotta-Engelsfigur. Besonders schön ist die Büste der Madonna mit Kind an der Spitze des Bogens, der zum Presbyterium führt. Der größte Schatz der Kirche sind die zahlreichen Fresken, die einen Großteil der Innenwände bedecken und in verschiedenen Epochen entstanden sind. Im Allgemeinen steht die Erzählabsicht im Vordergrund, nicht die künstlerische Qualität, die jedoch durchaus angemessen ist. Die Fresken sind mit Reliefdetails (Gaben der Heiligen Drei Könige, Kelche der Passion) und Heiligenscheinen verziert, die zumeist mit Blattgold geschmückt sind, obwohl dieses oft verloren gegangen ist. Die Fresken im Mittelteil, die sich zwischen dem dekorativen Terrakottaband und dem Kuppelsockel befinden und wie ein Comic in Tafeln unterteilt sind, widmen sich dem Leben Christi, von der Verkündigung bis zur Kreuzigung. Der Künstler ist unbekannt. Der Stil ist Frührenaissance mit gotischen Elementen. Auch die Kuppel (Bild 2) ist mit Fresken geschmückt, jedoch nur mit dekorativen Elementen, insbesondere der Sonne mit Strahlen, dem Symbol der Familie Visconti, mit den Initialen IHS im Inneren, einem Hinweis auf Jesus Christus. Die Rippen und Okuli sind mit weißen Bändern mit Trieben kleiner roter Rosen hervorgehoben. - Mittelteil, Westwand: Dies ist die Wand, die man vom Eingang aus sieht. Sie zeigt die ersten Episoden im Leben Christi. Dargestellt sind: Verkündigung, Geburt Christi, Anbetung der Heiligen Drei Könige, Kindermord in Bethlehem, Taufe Christi, Versuchung Jesu in der Wüste, Fußwaschung, Auferweckung des Lazarus. In den Medaillons über den Trompen sind von links nach rechts der Heilige Bonaventura, die Heilige Klara, der Heilige Bernhardin und der Heilige Franziskus abgebildet. Mittelteil, Nordwand (linke Wand): Dargestellt sind: Einzug in den Tempel, Das Letzte Abendmahl, Der Judaskuss (oder die Gefangennahme Jesu), Jesus vor Kaiphas, Das Gebet im Garten Gethsemane und Jesus vor Herodes. - Mittelteil, Südwand (rechte Wand): Dargestellt sind die Höllenfahrt Jesu, die Auferstehung Jesu, die drei Marien am Grab, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus, der ungläubige Thomas, die Himmelfahrt, Pfingsten und das Jüngste Gericht. Mittelteil, Ostwand (die Wand, die dem Besucher beim Betreten zugewandt ist, größeres Bild): Dargestellt sind die Dornenkrönung, der Kreuzweg, die Kreuzabnahme, die Pietà für dem toten Christus und die Kreuzigung. Letztere ist die größte Szene und fällt beim Betreten der zentralen Halle sofort ins Auge. Man beacht, dass nur Jesus am Kreuz genagelt ist; die beiden Räuber zu seinen Seiten sind daran gefesselt. Dies war im späten Mittelalter eine verbreitete Praxis. Weitere interessante Details sind der Engel neben dem Haupt des guten Räubers, bereit, seine Seele in den Himmel zu geleiten, der kleine Teufel neben dem Haupt des bösen Räubers, der darauf wartet, seine Seele in die Hölle zu bringen, und die Engel, die das Blut Christi, das aus seinen Wunden fließt, in Kelchen auffangen. In den Medaillons über den Trompen sind von links nach rechts der heilige Jakobus von den Marken, der selige Amadeus, der heilige Hieronymus und der heilige Ludwig dargestellt. In den beiden Medaillons über dem Eingangsbogen zum Presbyterium befinden sich die Propheten Jesaja (links) und Jeremia (rechts). Die vier Evangelisten waren ursprünglich auf den Trompen der Kuppel dargestellt. Heute sind nur noch der heilige Matthäus und der (stark beschädigte) heilige Markus sichtbar. Linker Seitenflügel (Kapelle des Heiligen Geistes) (Abb. 3): Die Fresken dieser Kapelle stammen aus dem späten 16. Jahrhundert. Der Stil ist manieristisch, und die Darstellungen folgen den Vorgaben der Gegenreformation. Der Altar im hinteren Bereich besitzt ein hölzernes Retabel mit einer vollständig vergoldeten architektonischen Struktur. In der Mitte befindet sich eine große Nische mit einer Statue des heiligen Antonius von Padua. Links vom Altar ist die Bekehrung des heiligen Paulus dargestellt, rechts die der heiligen Maria Magdalena. Die Wände zeigen die zwölf Apostel, drei Paare an der linken und drei an der rechten Wand. Die Kuppel zeigt die vier Evangelisten und die vier Doktoren der Kirche, jeweils am Fuß eines ihrer Segmente, innerhalb von Fresken, die eine Tropé-l’œil-Architektur andeuten. Auch die Pendentifs sind mit Fresken bemalt, die architektonische Elemente andeuten. Der obere Teil der Segmente ist mit dekorativen Elementen mit Pflanzenmotiven verziert, darunter Zweige mit verschiedenen Früchten, die sich um die Kuppelmitte winden. In den Lünetten an den Seitenwänden sind zwei Mönchspaare zu sehen, die einen Vorhang öffnen und so die Balustrade einer Terrasse vor dem Himmel freigeben. Man beachte auch, wie das Fenster an der rechten Wand in die Trompe-l’œil-Darstellung eines Turms integriert ist. Rechter Seitenschnitt (Kapelle der Heiligen Jungfrau) (Abb. 4): Die Fresken in dieser Kapelle werden Giuseppe Pesenti zugeschrieben, der sie Ende des 16. Jahrhunderts malte. Der Altar in der Mitte der Rückwand hat dieselbe Struktur wie der in der vorigen Kapelle, die Details unterscheiden sich jedoch. Die Statue in der Vitrine stellt den Heiligen Franziskus dar. Auch in dieser Kapelle wurde die Trompe-l’œil-Technik umfassend eingesetzt. Hinter dem Altar befindet sich ein angedeuteter prächtiger Vorhang. An den Seiten sind der heilige Ambrosius in bischöflichen Gewändern (links) und die heilige Liberata (rechts) dargestellt, beide innerhalb simulierter Architekturelemente. An der linken Wand sind die Beschneidung und Jesus unter den Kirchenlehrern abgebildet, an der rechten Wand der Tod Mariens und die Himmelfahrt Mariens. Auch hier wurden die Kuppelsegmente mit Fresken bemalt, um Architekturelemente nachzubilden. Am Fuß jedes Segments ist eine Episode aus dem Leben Marias dargestellt: die Begegnung von Joachim und der heiligen Anna, die Darstellung Mariens im Tempel, die Hochzeit Marias mit Josef, die Verkündigung, die Begegnung Marias mit Elisabeth, die Reise nach Bethlehem zur Volkszählung und die Geburt Christi. An der linken Wand befindet sich in einem Schutzkasten eine bemalte Terrakotta-Statue aus dem 15. Jahrhundert, die eine Madonna mit dem Kind darstellt und als Madonna der Schwalbe bekannt ist. Links vom Altar befindet sich ein Sarkophag mit einem Ecce Homo-Motiv zwischen den Heiligen Franziskus und Laurentius auf dem Deckel. Presbyterium und Chor Zu beachten erstens die beiden freistehenden Fresken aus dem 15. Jahrhundert, die an den Seiten des Eingangs zum Presbyterium stehen. Das linke zeigt einen segnenden Papst, das rechte drei junge Heilige. Ursprünglich befanden sie sich beidseitig des Haupteingangs. Das Presbyterium ist durch eine polychrome Marmorbalustrade vom Hauptschiff getrennt und weitgehend schmucklos. Man beachte jedoch das Serlian-Fenster auf der linken Seite. Der Hochaltar besteht aus polychromem Marmor und ist jünger als die Kirche selbst; er wurde im 18. Jahrhundert erbaut. In seiner Mitte befindet sich eine Intarsie mit dem Franziskanersymbol. Der Chor stammt aus dem Jahr 1505, als die Kirche erweitert wurde, und besitzt ein Gewölbe mit Sonnenmotiven und stilisierten Pflanzenelementen. Beachtenswert, dass er noch immer Spitzbögen aufweist. Der untere Teil der Chorwände wird von den großen, in zwei Reihen angeordneten und 1505 aus massivem Nussbaumholz gefertigten Chorstühlen eingenommen. Im oberen Bereich der Rückwand befindet sich eine Nische mit einer Statue der Jungfrau, die den Drachen besiegt. Sie wurde im 18. Jahrhundert von Giuseppe Bertesi geschaffen. Um die Nische herum verläuft ein barocker Rahmen in polychromem Scheinmarmor, der aus der richtigen Entfernung den Eindruck erweckt, das Retabel des Hochaltars zu sein. Nennenswert schließlich das „Ecce Homo“ auf der rechten Hälfte des Eingangsbogens zum Chor, das möglicherweise aus der Renaissance stammt.
Kategorien: Plätze von historischem Wert von künstlerischem Wert
Villa Guzzafame, 26012 Castelleone CR |
Kirche Heilige Maria in Bressanoro: zusätzliche Fotos in der Sektion Photographie |