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Kirche von San Fedele
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Wichtigste vertretene Stile: Renaissance - Barock
Auch die Kirche San Fedele wird trotz ihres hohen historischen und ästhetischen Wertes und ihrer Lage am gleichnamigen Platz, direkt hinter der Piazza della Scala und nur einen Steinwurf von einem der Eingänge zur Galleria Vittorio Emanuele entfernt, selten von Touristen besucht.
GESCHICHTE Die Kirche San Fedele wurde ab 1569 für den Jesuitenorden erbaut und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele der Architektur der Gegenreformation. Die Jesuiten, Mitglieder des 1540 von Ignatius von Loyola gegründeten Jesuitenordens, wurden vom Erzbischof Karl Borromäus nach Mailand berufen, um die Reformen des Konzils von Trient umzusetzen. Üblicherweise errichteten die Jesuiten keine Klöster, sondern sogenannte „Häuser“ im Stadtzentrum, also eine Kirche mit angrenzenden Wirtschaftsräumen. Borromeo stellte den renommierten Architekten Pellegrino Pellegrini, genannt Tibaldi, den Jesuiten zur Verfügung, der eines der bedeutendsten Sakralbauten der Gegenreformation schuf, gekennzeichnet durch große Monumentalität, insbesondere angesichts der bescheidenen Größe des für den Bau zur Verfügung stehenden Grundstücks. Beim Entwurf der Kirche San Fedele, dem ersten Jesuitenhaus in Mailand, hielt sich Tibaldi strikt an die liturgischen Vorgaben des Konzils von Trient, die vom Orden übernommen worden waren. Er entwarf ein einschiffiges Gebäude, das die zentrale Stellung des Altars für die Eucharistiefeier betonte und eine seitliche Kanzel zur Erleichterung der Predigt einschloss. Angrenzend an die Kirche wurde eine „Casa Professa“ (Professhaus) errichtet, um die Jesuiten zu beherbergen und ihnen Räumlichkeiten für ihre Aktivitäten zu bieten. Tibaldi begann, unterstützt vom Jesuiten Antonio della Porta, mit dem Bau des Kirchenschiffs. Er verließ die Baustelle jedoch 1586, und seine Nachfolger waren Martino Bassi und Aurelio Trezzi. Diese wurden später von Francesco Maria Richini abgelöst. Richini war für den Chor und die Krypta verantwortlich, die 1634/35 gebaut wurden, die zweite im Auftrag der Kongregation des Heiligen Grabes. Die Kuppel wurde noch später errichtet. Der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt, vermutlich aber nach Richinis Tod im Jahr 1658. Die Kirche wurde dennoch schon 1579 vom Erzbischof San Carlo Borromeo geweiht und für den Gottesdienst eröffnet. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgelöst, und so fiel die Kirche San Fedele an die Diözesankanoniker der nahegelegenen Kirche Santa Maria alla Scala. Diese wurde 1776 abgerissen, um Platz für den Bau der neuen Mailänder Scala zu schaffen, die von Maria Theresia von Österreich in Auftrag gegeben worden war, nachdem ein Brand das Hoftheater zerstört hatte. 1787 wurde die Kirche San Fedele zur Pfarrkirche und erhielt den Namen Santa Maria della Scala in San Fedele, den sie bis heute trägt. Alle bedeutenden Kunstwerke der ehemaligen Kirche Santa Maria alla Scala befinden sich nun in der Kirche San Fedele. Im Jahr 1834 wurden die Treppen zur Krypta, der Fussboden des Presbyteriums und seine Marmorbalustrade erneuert. Weiterhin wurde der Hochaltar von dem Architekten Pietro Pestagalli nach dem Vorbild aus dem 16. Jahrhundert eines Ädikula-Altars entworfen, das in Tibaldis Zeichnungen für den Hochaltar der Kathedrale zu finden ist. Im darauffolgenden Jahr ließ er die noch fehlenden Statuen zur Vervollständigung der Fassade anfertigen (siehe unten). Die Bombenangriffe von 1943 zerstörten große Teile des Komplexes, doch die Kirche blieb wie durch ein Wunder unversehrt. 1946 berief Erzbischof Ildefonso Schuster die Jesuiten nach Mailand zurück und beauftragte sie mit dem materiellen, spirituellen und kulturellen Wiederaufbau der Stadt. Ihre sozialen, seelsorgerischen und kulturellen Aktivitäten werden heute von der San Fedele Kulturstiftung verwaltet, deren Hauptsitz auch ein Auditorium und die 1968 eröffnete San Fedele Galerie umfasst. Ergänzend sei erwähnt, dass die Kirche San Fedele selbst als Kunstgalerie dient, da sie neben antiken Kunstwerken auch zeitgenössische Werke beherbergt, die in ihre Architektur integriert und mit Werken aus früheren Epochen kombiniert sind.
STRUKTUR Die rechte Seite der Kirche San Fedele ist nur teilweise sichtbar, da sie von anderen Gebäuden überbaut wird. Die allgemeine Struktur der Kirche besteht aus einem Hauptteil mit rechteckigem Grundriss, an den hinten ein zweiter, kleinerer rechteckiger Teil angefügt ist, an den wiederum hinten die halbrunde Apsis angefügt ist. Das Querschiff ist nicht nicht vorspringend, und es gibt keinen Glockenturm. Die Fassade ist vollständig aus weißem Angera-Stein gefertigt und weist zwei gleich breite Ordnungen auf, die durch ein breites Gesims getrennt sind. Beide sind vertikal durch Säulen unterteilt, die auf hohen Sockeln ruhen, mit korinthischen Kapitellen in der unteren Ordnung und Kapitellen im Kompositstil in der oberen Ordnung. Der mittlere Abschnitt ist breiter als die anderen. In der unteren Ordnung befindet sich das imposante Portal, dessen reich verzierter, gebogener Giebel von zwei aus der Wand freistehenden Säulen (ein Stilelement, das sich auch im Inneren wiederfindet) getragen wird. Vor dem Haupteingang liegt ein kleiner, über einige Stufen erhöhter Kirchhof. Ein Sturz auf diesen Stufen Anfang 1873 führte dazu, dass Alessandro Manzoni (dargestellt in der Statue in der Mitte des Platzes mit Blick auf die Kirche) ein Trauma erlitt, an dem er am 22. Mai desselben Jahres verstarb. In der oberen Ordnung befindet sich im Mittelteil ein großes rechteckiges Fenster mit einem Rahmen, der – in kleinerem Maßstab – an die Struktur des Portals erinnert, und einer Balustrade, die einen Balkon imitiert. Die äußeren Bereiche sind mit Nischen versehen, in denen Statuen stehen, die alle 1835 entstanden sind. Die Statuen im unteren Geschoss, geschaffen von Gaetano Monti, stellen den Heiligen Christophorus und den Heiligen Fidelis dar. Die Statuen im oberen Geschoss zeigen König David (von Gaetano Manfredini) und den Propheten Jesaja (von Abbondio Sangiorgio). Die weitere Bereiche enthalten jeweils eine Gedenktafel und ein Flachrelief. Der große Giebel an der Spitze der Fassade ziert ein großes Flachrelief mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens; es ist ein Werk von Gaetano Matteo Monti aus Ravenna. Da die Kirche in den städtischen Kontext eingebettet ist, entwarf Tibaldi eine linke Seitenwand, die die gleiche Monumentalität der Fassade besitzt und durch eine Ecksäule mit ihr verbunden ist. Sie ist ebenfalls in zwei Ordnungen unterteilt, die jeweils abwechselnd Rahmen mit Fenster und mit Nischen aufweisen, durchsetzt mit Säulen, die vor breiten Pilastern stehen. Anzumerken ist, dass die Außenverkleidung offenbar nie fertiggestellt wurde. Tatsächlich weist die Außenfassade des Presbyteriums eine sehr grobe, unverputzte Ziegelstruktur auf. Auch die obere Ordnung des dem Presbyterium entsprechenden Abschnitts ist unverputzt, obwohl dieser möglicherweise so vorgesehen war. Von hinten ist die runde Kuppel zu sehen. Sie besteht aus einer hohen Trommel, die in acht Segmente unterteilt ist. Jedes Segment enthält ein großes rechteckiges Fenster, das von einem Rahmen im Stil der Fenster im Hauptkörper eingefasst ist. Die Kuppelhaube wird von einem ebenfalls runden Tiburium verdeckt, der mit elliptischen Oculi verziert ist. Das Innern der Kirche San Fedele entspricht vollständig den Vorgaben des Konzils von Trient und ist der Kirche Il Gesù in Rom nachempfunden. Es umfasst ein einziges Schiff mit kurzen Querschiffarmen, sodass man von jedem Punkt der Kirche aus die Predigt des Priesters von der Kanzel, die sich deshalb genau in der Mitte der linken Innenwand befindet, gut hören konnte. Das Langhaus ist in zwei große, quadratische Spannweiten mit Segelgewölbe unterteilt. In der Mitte jedes Gewölbes befindet sich ein mit Strahelen versehenes Schild mit dem heiligen Monogramm IHS, das sowohl den lateinischen Initialen des Ausdrucks „Jesus, Retter der Menschen“ (lesus hominum salvator) als auch den ersten drei griechischen Großbuchstaben des Namens „Jesus“ (IH OUC) entspricht. Man beachte, dass im Buchstaben H nicht das Kreuz steht, wie üblich, sondern das Christkind. Die Gewölbe werden von großen, von den Seitenwänden abgesetzten Säulen mit korinthischen Kapitellen getragen, die auf hohen Sockeln ruhen. Die Seiten- und Querbögen sind mit Kassettendecken verziert. Sie gliedern den Innenraum auf einheitliche Weise, mit Ausnahme des Presbyteriums, das durch einen mächtigen Triumphbogen vom Kirchenschiff getrennt ist. Im Innern gliedern Pilaster mit korinthischen Kapitellen die Wände. An den Seitenwänden wechseln sich Seitenkapellen und schmalere Räume ab, in denen sich im unteren Bereich Nischen mit Beichtstühlen befinden (außer unmittelbar links vom Eingang, wo der Beichtstuhl durch das Taufbecken ersetzt wurde) und im oberen Bereich kleine Chorempore mit Balkonen. Dieselbe Gliederung findet sich auch an der Gegenfassade: Die Eingangstür befindet sich in der Mitte, seitlich davon zwei Nischen mit Beichtstühlen und darüber zwei Chorempore. Zwei Bänder und ein markantes Gesims, die sich um den gesamten inneren Umfang der Kirche erstrecken, trennen die Wände von den Gewölben. In der großen Lünette jedes der fünf Bögen im Langhaus (zwei an jeder Seite plus einer an der Gegenfassade) befindet sich ein großes rechteckiges Fenster, das von einem an ein Portal erinnernden Rahmen umgeben ist. Beachten Sie die Statue des Pantokrator-Kindes im Fensterrahmen der Gegenfassade, die im Zentrum des gebrochenen Giebels sitzt. Die Beichtstühle stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurden von den Jesuitenbrüdern Taurino gefertigt. Sie bestehen aus massivem, geschnitztem Holz. Sie sind durch Holztafeln mit Flachreliefs, die in der oberen Reihe Szenen aus dem Alten Testament und in der unteren Reihe aus dem Neuen Testament darstellen, gekennzeichnet. Ursprünglich gab es neun Beichtstühle, doch derjenige, der sich an der Stelle des heutigen Taufbeckens befand, wurde zu einem Schrank umgebaut und in die Vorhalle der Sakristei versetzt. Die große, Daniele Ferrari zugeschriebene Kanzel ist im Stil der Beichtstühle gehalten und besonders reich verziert. Im Stützkelch befinden sich drei ovale Clypei mit Flachreliefs, die Szenen der Geburt Christi, der Kreuzigung und der Auferstehung darstellen. Sie sind von Putten, Cherubimköpfen und Pflanzenmotiven umgeben. Die drei Seiten des Geländers zieren Medaillons mit dem heiligen Monogramm IHS (auch hier mit dem Kreuz durch das Kristkind ersetzt), flankiert von anbetenden Engeln. Auch der Baldachin ist reich verziert: An der Unterseite befindet sich die Taube, Symbol des Heiligen Geistes, und oben eine Statue von Christus dem Erlöser. Die Kirche San Fedele besitzt auf jeder Seite zwei Seitenkapellen, die alle gleich aufgebaut sind: flach, in die Wandstärke eingelassen, mit Tonnengewölbe, vom Hauptschiff durch eine in das Hauptschiff hineinragende Marmorbalustrade getrennt, wobei die Rückwand fast vollständig vom Altar eingenommen wird. Die meisten Altäre in den Seitenkapellen wurden offenbar von Tibaldi selbst entworfen. Erste Kapelle links (Abb. 4): Der Altar besteht aus polychromem, überwiegend schwarzem Marmor. Er ist mit feinen Goldverzierungen und weißen Marmoreinlagen mit dekorativen Elementen in Form von Pflanzenreliefs verziert. Der Altar hat eine architektonische Struktur. Das Retabel umfsst zwei kannelierten Säulen an den Seiten, deren Kannelierung durch Vergoldung hervorgehoben ist. Sie tragen ein massives Gebälk und darüber einen geschwungenen Giebel mit einem vergoldeten Cherubenkopf im Inneren. Im Sockel befindet sich in einer Nische eine Statue des toten Christus. Das Altarbild mit der Darstellung der Kreuzabnahme stammt aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und ist ein Werk von Simone Peterzano. Es befand sich ursprünglich in der Kirche Santa Maria della Scala. Unmittelbar seitlich sind zwei weiße Marmorhermen mit zwei Büsten (von Propheten) angeordnet, die Schriftrollen halten. Das Gewölbe ist mit einer Kassettendecke verziert, die mit vergoldetem Stuck reich geschmückt ist. Die Seitenwände sind in Rahmen unterteilt, die Darstellungen von Heiligen und verschiedene Dekorationen enthalten. Zweite Kapelle links (Abb. 2): Spinola-Kapelle – Rezzonico. Ihre Struktur ist nahezu identisch mit der vorherigen. Die Hauptunterschiede bestehen darin, dass der Altar aus Marmor gefertigt ist, vorwiegend in Grau und Rot (Altar und Tabernakel wurden 1885 erneuert), die seitlichen Säulen des Altars rund und glatt sind und die beiden Hermen unmittelbar seitlich des Altarbildes zwei Engel darstellen, die die Säulen umarmen. Des Weiteren ist der Giebel über dem Altar dreieckig und größtenteils vergoldet. In der Mitte des Altars, umgeben von einem dicken, mit Basreliefs verzierten und vollständig vergoldeten Holzrahmen, befindet sich ein Fresko der Madonna mit dem Kind, bekannt als Madonna della Scala, da es ebenfalls aus der Kirche Santa Maria della Scala stammt. Das Fresko gehört zur Schule Bernardino Luinis. Erste Kapelle rechts (Abb. 5): Kapelle Sankt Ignatius. Sie wurde erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts fertiggestellt und ist die einzige Kapelle, die ihre ursprüngliche Widmung bewahrt hat und unverändert geblieben ist. Der polychrome Marmoraltar, wahrscheinlich vom Architekten Fabio Mangone entworfen, zeichnet sich durch einen überwiegend hellen Sockel aus. Vier paarweise in der Tiefe gestaffelte Rundsäulen mit korinthischen Kapitellen aus Bronze tragen ein reich verziertes Gebälk und einen dreieckigen Giebel aus weißem Marmor. Von bemerkenswerter visueller Wirkung ist in der Lünette das Tondo mit dem Monogramm IHS (hier mit Kreuz), das von Strahlen umgeben ist, die durch einen Wolkenrahmen mit Putten und Cherubimköpfen verlaufen. Zwei Engel stehen seitlich auf dem Giebel. Das Altarbild in der Mitte des Altars, 1622 von Giovan Battista Crespi, genannt Cerano, gemalt, zeigt die Vision des Heiligen Ignatius. Auch hier ist das Gewölbe mit Kassettendecken verziert. Die Seitenwände sind vollständig mit polychromem Marmor verkleidet und weisen neben Tafeln mit Basreliefs und Plaketten je eine Nische mit einer Statue eines Jesuitenheiligen auf (Aloisius Gonzaga links und Stanislaus Kostka rechts). Zweite Kapelle rechts (Abb. 3): Guastalla-Kapelle. Sie ist die stilistisch eindrucksvollste Kapelle. Sie weist dieselbe Grundstruktur wie die anderen auf, darunter ein Tonnengewölbe mit Kassettendecke und Seitenwände, die mit in vergoldeten Stuck gefassten Paneelen verziert sind. Diese zeigen vergoldete Reliefs oder Heiligenfiguren (hier Petrus, Paulus, Maria Magdalena und Martha), die letzteren von Ambrogio Figino gemalt. Der Altar ist ebenfalls aus polychromem Marmor gefertigt, wobei roter Marmor überwiegt. Der Altartisch besitzt ein prächtiges Scagliola-Antependium. Es besteht aus einem hohen Sockel, aus dem zwei runde Säulen aus rotem Marmor mit vergoldeten korinthischen Kapitellen emporragen. Die Säulen scheinen von ihren Basen und Kapitellen losgelöst, als würden sie zur Seite kippen, wären da nicht die beiden Engel von zwei von der Seite gesehenen Hermen, die sie von der Seite umarmen. Die beiden Säulen tragen ein Gebälk, das von einem Bogengiebel bekrönt wird. Das Altarbild ist ein großes Flachrelief aus 28 glasierten Keramiktafeln, das 1955 von Lucio Fontana geschaffen wurde und die Erscheinung des Heiligsten Herzens Jesu vor der heiligen Margareta Alacoque darstellt. Es zeigt Christus mit dem flammenden Herzen in der Mitte, die kniende heilige Margareta unten links und die Fassade der Kirche San Fedele oben rechts. Das ursprüngliche Altarbild stammte von Ambrogio Figino (1581–1587) und zeigte die Krönung Mariens. Es wurde zunächst durch eine Verklärung Mariens mit Heiligen von Bernardino Campi in Zusammenarbeit mit Carlo Urbino (1565) ersetzt, die ursprünglich aus Santa Maria della Scala stammte, und 1956 durch heutiges Fontanas Werk. Beide früheren Altarbilder befinden sich heute in der Vorhalle der Sakristei. Das Baptisterium (Fig. 6), gleich links vom Eingang, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Es ist von einer prächtigen, polychromen Marmorbalustrade umgeben. Der Altar im hinteren Bereich, vollständig aus weißem Marmor gefertigt und mit einem Flachrelief der Taufe Christi verziert, stammt aus dem 20. Jahrhundert. Das von einer polychromen Marmorbalustrade eingefasste Presbyterium fällt praktisch mit der Vierung zusammen. Die beiden Querschiffarme sind kaum erkennbar und sind etwa so tief wie die Seitenkapellen, obwohl sie deutlich höher sind. Die Rückwand des linken Querschiffarms ziert ein großes Gemälde aus dem 17. Jahrhundert von Agostino Santagostino: Der heilige Karl trägt die Reliquien der Heiligen Fidelis und Carpophorus. An der Wand des rechten Querschiffarms befindet sich heute eine große Orgel, die 1734 installiert wurde. Der große Hochaltar aus polychromem Marmor wurde 1835 im neoklassizistischen Stil von Pietro Pestagalli errichtet. Er beherbergt die Reliquien der Heiligen Fidelis und Carpophorus, frühchristlicher Märtyrer, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Karl Borromäus nach Mailand gebracht wurden. Der Sockel ist mit weißen Marmorreliefs (das linke zeigt die Taufe Christi) und Apostelbüsten in achteckigen Rahmen verziert. Über dem Altar scheinen zwei große allegorische Statuen des Glaubens und der Hoffnung über den großen, zylindrischen, vergoldeten Holztabernakel zu wachen. Dieser ist mit Prophetenstatuen geschmückt, steht auf einem Sockel mit den Symbolen der Evangelisten und wird von einer Lammstatue bekrönt. Der Tabernakel befindet sich in einer polychromen Marmor-Ädikula. Diese besteht aus einem runden Sockel, von dem sechs kleine Säulen eine kleine Kuppel tragen, die von einer Statue des auferstandenen Christus gekrönt wird. Zwischen den Säulen stehen Statuen der Evangelisten. Seit 2014 steht Claudio Parmiggianis Werk Dornenkrone aus Stacheldraht und Goldfäden vor dem Tabernakel, während seit 2018 Ettore Franis Gemälde Das glorreiche Grab vor dem Altarsockel steht. Zu beachten, dass der Altar einen kleinen, sechseckigen Raum, das sogenannte Santa Sanctorum, enthält, der von der Rückseite zugänglich ist und wichtige Reliquien beherbergt. Sein Gewölbe wurde 2015 von Nicola De Maria bemalt; es entstand die Komposition Himmlisches Jerusalem. Über dem Presbyterium erhebt sich die Kuppel, bestehend aus einem hohen Tambour mit acht großen rechteckigen Fenstern, die von einem imposanten Rahmen mit einem Cherubenkopf an der Spitze und einer angedeuteten Balustrade am Fuß, die einen kleinen Balkon simuliert, eingefasst werden. Die Kuppel ist mit Rahmen verziert, von denen jedes eine stilisierte Blume im Relief zeigt. Die Pendentifs sind mit Allegorien der drei theologischen Tugenden und der Tugend der Religion geschmückt, die 1918 von Luigi Cavenaghi gemalt wurden. Die Apsis ist halbkreisförmig. Der untere Teil ihrer Wände wird vom Chor eingenommen, der sich ursprünglich in der Kirche Santa Maria della Scala befand. Er wurde 1560 erbaut. Er umfasst zwei Reihen von Chorstühlen und zeichnet sich durch die Rückenlehnen der Sitze in der oberen Reihe aus, der mit Intarsien aus Holz, Knochen und Perlmutt verziert sind, die Ansichten einer idealisierten Stadt darstellen. Der Künstler ist unbekannt. Die Apsis besitzt drei große rechteckige Fenster, die von imposanten Gesimsen im Stil der in der Kuppel eingefasst werden. Zwischen Chor und Fenstern wurden 1995 drei zeitgenössische Monochrome installiert, die das Werk Himmlisches Jerusalem von David Simpson bilden. Die Chorkuppel greift Stilelemente der Pfarrhauskuppel auf. Unterhalb des Presbyteriums und des Chors befindet sich die Krypta (Fig. 8), die der Passion Christi geweiht ist. Sie ist über zwei Treppenaufgänge an beiden Seiten des Presbyteriums zugänglich. Der Raum mit flachen Gewölben ruht auf Säulen aus rosafarbenem Baveno-Granit und ist von Mauern mit flachen Pilastern umgeben. Der barocke Altar aus schwarzem und weißem Marmor zeigt die Szene des Kalvarienbergs. Ein hölzernes Kruzifix in der Mitte wird von Statuen der Madonna und des Evangelisten Johannes flankiert. An den unteren Seiten betrauern zwei Marmorengel den toten Christus. Diese Holzskulptur von Andrea Fantoni aus dem 18. Jahrhundert ist in einer großen Vitrine am Fuße des Altars ausgestellt. In den Ecken des Mittelteils der Krypta befinden sich acht Nischen mit acht lebensgroßen Statuen von Engeln und Propheten. Gegenüber dem Altar liegt ein Raum, der für die Gräber mehrerer Mitglieder der Habsburger Familie vorgesehen war. Diese Kapelle wurde Ende des 18. Jahrhunderts angebaut, als die Kirche San Fedele zur herzoglichen Kapelle wurde. Die Krypta beherbergt zahlreiche Kunstwerke, sowohl antike als auch moderne. Unter den antiken Werken sind folgende besonders bemerkenswert: - Prozessionskreuz aus vergoldetem Kupfer, Silber, Bronze, Bergkristall, Granat und Glas: Es hängt im Zentrum der Krypta und stammt aus der Kirche Santa Maria della Scala. Das Prozessionskreuz wurde zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert gefertigt. Am Schnittpunkt der Arme befindet sich auf der einen Seite eine Kreuzigung und auf der anderen ein Christus Pantokrator. - Grabmal für Lorenzo Toscani: Dieses ist in die linke Wand eingelassen. Auch dieses Werk stammt aus der Kirche Santa Maria della Scala. Es wurde von Agostino Busti, genannt il Bambaia, geschaffen, der im Jahr 1545 damit beauftragt wurde. Es ist der einzige Überrest eines größeren Grabmals. Zu den modernen Werken gehört: – Via Crucis von Lucio Fontana: Sie besteht aus 14 ovalen Terrakotta-Tafeln, die der Künstler 1957 schuf. Von der rechten Seite der Krypta gelangt man in einen kleinen Raum mit zahlreichen Reliquien und liturgischen Gegenständen. Von dort aus erreicht man einen zweiten Raum mit einer Auswahl an Werken, die von der Künstlerin, Architektin und Designerin Nanda Vigo gestiftet wurden. Rechts vom Presbyterium führt eine Tür in die Vorsakristei. Wie bereits erwähnt, befinden sich hier die beiden Altarbilder, die sich in der zweiten Kapelle rechts vor der jetzigen abwechselten, sowie ein zu einem Schrank umgebauter Beichtstuhl. Von der Vorsakristei aus gelangt man einerseits in die Kunstgalerie, einen kleinen Raum, der ausschließlich mit Gemälden zeitgenössischer Künstler gefüllt ist. Auf der gegenüberliegenden Seite betritt man die Sakristei. Der Zugang erfolgt durch ein prächtiges, reich verziertes Holzportal, das neben der Tür zur Sakristei auch ein Waschbecken aus rotem Marmor beherbergt (Fig. 9). Die Sakristei (Fig. 10) von San Fedele zählt zu den schönsten Beispielen einer Sakristei aus der Zeit der Gegenreformation. Sie wurde im dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts nach einem Entwurf von Francesco M. Richini erbaut und folgt genau den „Instructiones“ (Anweisungen zum Kirchenbau und zur Kirchenausstattung) von Carlo Borromeo aus dem Jahr 1577. Das Tonnengewölbe ist in Bögen unterteilt. Diese sind entweder mit rechteckigen Stuckrahmen verziert, die in der Mitte einen Engelskopf oder ein Pflanzenmotiv zeigen, oder mit zwei Engeln, die das Monogramm IHS am oberen Ende des Bogens halten. Die Wände werden fast vollständig von großen Massivholzschränken eingenommen, die reich mit Schnitzereien des Jesuiten Daniele Ferrari verziert sind. Auf jeder Seite sind die Schränke ist in fünf Abschnitte unterteilt, drei weniger vorspringend und zwei mehr. In der Mitte jeder Tür befindet sich das Monogramm IHS, das kaum erkennbar ist, da die Buchstaben als Ansammlungen von Pflanzenmotiven und Engelsköpfen dargestellt sind. Auch hier ist das Kreuz durch das Christuskind Pantokrator ersetzt. Alle tragenden Elemente der Schränke sind vollständig mit Schnitzereien verziert: Putten, Köpfe von Cherubim, von Löwen und von Widder sowie dekorative Elemente mit Pflanzen- und geometrischen Motiven. Am oberen Rand der Schränke stehen acht Büsten von in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts selig- oder heiliggesprochenen Jesuiten. Zwischen ihnen sechsundzwanzig Fackeln. Auch die beiden kurzen Wände sind vollständig mit geschnitzten Holzpaneelen verkleidet. Die bedeutendste Schnitzerei befindet sich in der Tat über dem Eingang, ein Flachrelief, das Jesus im Gespräch mit der Menge darstellt. Erwähnenswert ist schließlich auch der Kronleuchter, im Stil der Schränke und mit drei Widderköpfen verziert. Durch die Sakristei gelangt man in die sogenannte Kapelle der Tänzerinnen, die am anderen Ende mit der Apsis in Verbindung steht. Sie besteht aus einem rechteckigen Raum mit zwei Säulen in der Mitte und einem kleinen Presbyterium mit Altar. In der Kapelle befinden sich verschiedene Grabsteine und ein abgelöstes Fresko (heute das Altarbild der Kapelle), die Madonna der Torriani, die alle aus der nahegelegenen Kirche San Giovanni decollato alle Case Rotte ("Kirche S. Johannes enthauptet bei den Gebrochenen Häuser"). Diese wurde 1874 geschlossen und später abgerissen. Das Fresko datiert aus dem späten 14. Jahrhundert und zeigt eine Stillende Madonna. Der Name der Kapelle leitet sich davon ab, dass es bis in die 1980er-Jahre Tradition war, dass die Ballerinen der Mailänder Scala vor ihren Debüts eine Blume vor dem Bild der Madonna der Torriani niederlegten. Die Kapelle beherbergt auch mehrere zeitgenössische Werke, von denen Mimmo Paladinos Ex-voto aus dem Jahr 2014, bestehend aus versilberten Ballettschuhen aus Bronze, die mit ihren Spitzen an der Wand befestigt sind, zweifellos das auffälligste ist. Obwohl die Kapelle auf den ersten Blick Renaissance erscheint, wurde sie tatsächlich im späten 19. Jahrhundert erbaut, um die Stillende Jungfrau aufzunehmen, die aus der Wand der zum Abriss vorgesehenen Kirche San Giovanni Decollato entfernt worden war. Tatsächlich verraten mehrere stilistische Details, dass es sich nicht um ein reines Renaissancebauwerk handelt: – Die polychrome Marmorbalustrade mit radförmigen Öffnungen im Inneren. – Die Masken in Kombination mit den Kapitellen. – Das dekorative Element des Rondells, das sich an den Pilastern, welche den Altar vertikal unterteilen, wiederholt. - Die Tatsache, dass verschiedene Dekorationselemente an bestimmten Ecken abgeschnitten sind.
Besondere Erwähnung verdient schließlich das San Fedele Museum. Dieses Museum umfasst und nutzt die Kirche, um eine künstlerische und religiöse Reise zu schaffen, die die Krypta, die Sakristei, die Kapelle der Tänzerinnen und mehrere Ausstellungsräume einschließt, um Kunstwerke vom 14. Jahrhundert bis zur Gegenwart zu presäntieren und zugänglich zu machen.
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Kategorie: Kirchen / Religiöse Gebäude
Piazza San Fedele, 4 20121 Milano |
Kirche von San Fedele: Weitere Bilder in der Abteilung Photographie |